Hej, bures, bures!

 

Dies sind meine Widerspiegelungen dessen, was ich in Sápmi erlebt habe, was ich gefühlt habe, was mir erzählt wurde, was ich gehört habe und was ich gelesen habe.

 

Nur eine kurze Übersicht, nur mein Blick auf den „Hohen Norden“ Europas: Sápmi– Lappland! Dies sind meine höchsteigenen Assoziationen und nur meine eigenen Wahrheiten. Wer andere Wahrheiten, gegebenenfalls mit ordentlichen Quellenangaben lesen möchte, mag gerne anderer Leute Reflexionen, Assoziationen und Wahrheiten lesen.  

 

„Čuobbu-Hannes“ Hans-Joachim Gruda, Berlin-Hermsdorf im Winter2011/2012

 

Hoch im Norden Europas lebt das Volk der Samen. Ihre Wohngebiete erstrecken sich über die nördlichen Teile Norwegens, Schwedens, Finnlands und der russischen Kolahalbinsel. Die Samen sind das indigene Volk Nordeuropas im Sinne des „Übereinkommens über eingeborene und in Stämmen lebende Völker in unabhängigen Ländern (ILO 169) von 1989“. Sie selbst nennen ihr Land Sápmi oder Sáme Ätnam dasLand der Samen.

 

Hier ist die Natur noch weiträumig ursprünglich und das Land bietet Platz für Stille und Einsamkeit – aber in seiner Wildheit auch für Herausforderungen – gerne auch  „Abenteuer“. Das Land ist dünn besiedelt. Die Gemeinde Jokkmokk zum Beispiel ist tausend Quadratkilometer größer als Schleswig-Holstein und Hamburg zusammen. Aber in Jokkmokk leben nur 5170 Menschen! (wovon ca. die Hälfte im Zentralort Jokkmokk; alles Andere ist „leer“). Die Gemeinde Kiruna ist mit 19.447 km 2 so groß wie das deutsche Bundesland Rheinland-Pfalz. Nach dem Verständnis der Samen umfasst „Sápmi“ ein größeres Gebiet, als Finnmarken in Norwegen, die Landschaft Lappland in Schweden und die Provinz Lappin lääni in Finnland. Røros in Ostnorwegen gilt vielen als südlichster Punkt samischen Siedlungsgebietes und die Tersamen im Nordosten der Kolahalbinsel sind die östlichsten Samen. Von Trondheim nordwärts ist die norwegische Küste samisch. Zwischen Piteå und Luleå reicht Sápmi bis an die Ostseeküste.

 

Von Schwedens südlichstem Punkt bei Trelleborg bis zum Nordkap ist es ungefähr genau so weit, wie von Trelleborg zum Golf von Neapel in Süditalien! Aber im Norden dieses großen Gebiets, in Sápmi, wohnen nur wenige Menschen. Zum anschaulichen Vergleich die Einwohner je km 2.

 

Berlin-Kreuzberg                     12.385,0

Berlin                                           3.479,0

Deutschland                                 238,0

EU                                                  116,0

Schweden                                       21,6

Finnland                                          15,7

Norwegen                                       13,0

Lappi lääni                                        1,9

Finnmark fylke                                  0,6

Jokkmokk                                          0,3

Troms fylke                                        0,1

 

Im Flachland und in den Mittelgebirgen Finnlands und Nordostschwedens dominiert die Taiga, der nördliche Nadelwald. Nach Norden und Nordwesten steigt das Land an, der subpolare Birkenwald löst die Nadelwälder ab. Schließlich breitet sich die baumlose weite Tundra aus, am Fuße des Hochgebirges mit seinen Gletschern und tief eingeschnittenen Talgängen. Zum Nordatlantik, auf der norwegischen Seite, fällt das Gebirge steil zum Meer ab und gewaltige Fjorde schneiden weit ins Land ein. Viele Nationalparke liegen hier, die einzigartige Natur zu bewahren, und 1996 wurde von der UNESCO das 9.400 km 2 große Gebiet LAPONIA wegen seines kulturellen Wertes und seiner ökologischen Vielfalt zum Welt-Natur- und Kulturerbe erklärt.

 

Der höchste Berg Sápmis (und zugleich Schwedens), Kebnekaise (samisch Giebnegáisi), ist zwar „nur“ 2.111 m hoch, aber die Gebirge im Norden sind wegen der Temperaturen, der Schnee- und Eisverhältnisse und der Vegetation dennoch von hochalpiner Prägung. Die Baumgrenze, zum Vergleich in den Alpen bei ca. 2.000 m, liegt in den Gebirgsregionen Sulitelma, Sarek und Kebnekaise nördlich des Polarkreises bei ca. 600 m!

 

Elche, Rentiere, Luchse, Bären, Vielfraße, Wölfe, Seeadler, Steinadler, Schneeeulen, Marder, Auerhühner, Schneehühner – die Fauna des Nordens ist vielfältig! Elche und Rentiere wird der Besucher mit Hilfe eines einheimischen Guides leicht zu sehen und zu fotografieren bekommen. Bären, Vielfraße, Wölfe oder Luchse zu sehen wird jedoch nicht jedem Reisenden vergönnt sein.

 

Die Jahresdurchschnittstemperaturenl iegen an der Ostseeküste Sápmis bei + 1 bis +2 Grad; in den Gebirgen an der schwedisch-norwegischen Grenze nur bei – 6 Grad (in den höchsten Regionen sogar nur minus 8 Grad). Der kälteste Monat ist der Januar mit bis zu – 49 Grad im schwedischen Teil (Rekord in Karesuando) und bis zu – 54 Grad in finnisch Sápmi. Am wärmsten ist es im Juli: Im Jahresdurchschnitt  zwischen + 15 Grad an der Ostsee und + 10 Grad in den Bergen. Die wärmsten Tage in Sápmi wurden mit jeweils 34,5 Grad in Jokkmokk und in Gällivare gemessen. Damit man überhaupt eine Vorstellung davon bekommt, was diese Zahlen bedeuten, hier zum Vergleich die mittlere Temperatur in Berlin: Im Januar – 0,7°C, im Juli + 19°C

 

Polarnacht und Mitternachtssonne

Nördlich des Polarkreises sind die Winter durch kurze Tage gekennzeichnet. Je weiter nördlich, desto dunkler. So geht die Sonne in Kiruna vom 21. Dezember an für 25 Tage und am Nordkap vom 18. November bis zum 24. Januar gar nicht auf. Zum Ausgleich sind die Sommer voller heller Tage. Die Sonne steht nachts so flach unter dem Horizont, dass es immer hell bleibt. Und ganz „oben“ im Norden scheint die Mitternachtssonne: In Kiruna geht die Sonne vom 27. Mai bis zum 15.Juli nicht unter und am Nordkap vom 23. Mai bis zum 19. Juli.

 

Vor erst 8.000 Jahren ging hier die letzte Eiszeit zu Ende. Dem zurück weichenden Eis folgten die Tundren und mit der weiteren Erwärmung die Birken und Weiden und schließlich die Nadelwälder. Mit der Flora kamen dieTiere und den jagdbaren Tieren folgten die Menschen. Zu den wildlebenden Renherden gesellte sich eine Renjägerkultur – die Vorfahren der heutigen Samen. Die ersten Siedlungsspuren reichen zurück in die Jungsteinzeit. Die Menschen betrieben – angepasst an die jeweiligen Gegebenheiten der Klima- und Vegetationszonen – die Jagd auf Rentiere, Elche, Bären und an der Küste auf Robben; in Flüssen, Seen und in den Meeren fingen sie Fische. Tundra und Wälder gaben Beeren, Kräuter, Archangelica, Knöterichgewächse, Bärlauchgewächse und anderes Essbares.

 

rangifer tarandus (nordsamisch: buazu; deutsch: das Rentier, die Rentiere; auch: das Ren, die Rene) ist die einzige Hirschart, bei der beide Geschlechter Geweih tragen. Die Tiere besitzen ein wunderbares System der Temperaturregulierung in ihrem Nasen- und Kopfraum; je nach Außentemperatur können sie das Blut zur Kühlung umleiten und um der Mittagswärme und den Mücken zu entgehen, begeben sie sich oft hoch hinaus in die kühlen Bergregionen und auf Schneefelder. Die Haare ihres Fells sind hohl und damit besonders gut isolierend. Zudem besitzen sie eine Unterwolle. Ihre Hufe spreizen sich beim Auftreten und verbessern so die Auflage auf Schnee und im Morast. Rentiere haben eine Widerristhöhe von ca. 85 cm bis ca. 140 cm, sie erreichen Gewichte von bis zu 340 kg. Sie ernähren sich von Gras, Blättern, Flechten, Moosen, und Pilzen (nicht wenige Samen essen keine Pilze, um nicht das Tierfutter wegzuessen). In den Wäldern dienen die Bartflechten usneabarbata (schw.: skägglavar) als Nahrung. Rentiere können mit ihren Hufen tief in den Schnee hinuntergraben, um an Futter zu gelangen. Ist jedoch der Bodenam Ende des Herbstes sehr nass und gefriert dann, bevor der Schnee ihn isoliert hat, wird es schwer für die Tiere. Oder wenn im Laufe des Winters, besonders in der Jahreszeit, die die Samen "Frühlingswinter" (nordsamisch Gïjre-daelvie, schwedisch vårvinter) nennen, wärmere Perioden den Schnee tauen lassen und es dann wieder kalt wird und alles hart gefriert, dann führte dies in früheren Zeiten zu Verlusten; heutzutage wird dann mit Trockenfutter zugefüttert oder die Tiere werden mit Lastwagen in günstigere Weidegebiete verbracht.

 

Im September und Oktober ist Brunftzeit. Die Hirsche kämpfen um jeweils zehn bis zwölf Weibchen. DieTragzeit beträgt etwa 230 Tage. Die Weibchen bringen im Frühling auf schneefreien Flächen normalerweise ein oder zwei Kälber zur Welt. Wenige Minuten nach de rGeburt beginnen die Kälbchen Muttermilch zu trinken; nach nur einer Stunde stehen die Neugeborenen und einige Tage später schließen sich Mutter und Kälbchen wieder der Herde an. Nach einem Monat essen die Kälber Gräser.

 

Die männlichen Tiere werfen ihr Geweih im Spätherbst. Die weiblichen Tiere behalten ihr Geweih bis ins nächste Frühjahr, um sich den Winter über bei der Futtersuche im Schnee gegen die männlichen Tiere besser durchsetzen zu können (vad smart!).

 

rangifer tarandus kommt in Sápmi in zwei Unterformen vor. Das Waldren (r. t. fennicus) ist relativ standortgebunden und wandert nur kurze Strecken in den Wäldern (Nordostschweden, Nordfinnland und Russland). Das Waldren ist größer als das Tundraren. Das Tundraren nomadisiert zwischen den Sommerweiden auf den Tundren und den Wäldern der Mittelgebirge und des Flachlandes und legt dabei mehrere hundert Kilometer je Richtung zurück.

 

Einst folgten die Jäger, die Fjällsamen, den Herden und warenselbst Nomaden. Sie jagten mit Fanggrubensystemen und mit Pfeil und Bogen. Sie lebten in mit Tierfellen gedeckten Hütten und Stangenzelten, kleideten sich in Felle und sie bewegten sich im Winter auf Skiern, als deren Erfinder sie gelten. Sie nutzten das Land und das Wasser, ohne „Eigentum“ oder „Besitz“ daran zu kennen. Wie den meisten naturnah lebenden, denkenden und fühlenden Völkern war den Samen die Vorstellung von „Landbesitz“ fremd.

 

Es wird um 1000 n. Chr. gewesensein, dass die Jäger und Sammler des Nordens begannen, einzelne Rentiere zu zähmen und bei sich zu halten. Gezähmte Tiere wurden benutzt, um wildlebende Herden anzulocken. Gezähmte Tiere wurden zu Last- und Zugtieren ausgebildet und bei den Nomadenzügen zu Transportzwecken eingesetzt. Muttertiere wurden gemolken und die Milch verzehrt und verarbeitet.

 

Entlang der Migrationsrouten der Rentiere suchten die Jäger und suchen noch heute die Hirten immer wieder die gleichen Plätze auf für ihre Rast, für Übernachtungen und für die temporären Siedlungen, dort wo es Wasser – auch gern fischreich – gibt, der Or twindgeschützt liegt und Brennmaterial vorhanden ist (z. B. Weide) oder von nicht allzu weit her mitgebracht werden konnte. Archeologen finden und untersuchen Feuerstellen an alten Kåtenplätzen, und haben solche Feuerstellen gefunden, die seit über tausend Jahren immer wieder von Menschen benutzt werden. Eine schöne Vorstellung, an einem Feuerplatz zu rasten und sein Mal zuzubereiten, an dem schon so viele Generationen zuvor saßen. Auch wer sich als wandernder Gast in der Natur Sápmis bewegt wird seine Rast- und Lageplätze nach den alten Regeln (vindskydd, vatten, ved) suchen und vorhandene Feuerstellen finden und nutzen, auf dass nicht das ganze Fjäll bald mit Feuerstellen übersäht wäre.

 

Im Mittelalter, als die Wälder Mitteleuropas in Acker- und Weideland umgewandelt wurden, wurden die großen Wälder im Norden zur Quelle für Pelzwaren: Biber, Bär, Zobel, Wolf, Fuchs waren begehrte Handelswaren. Händler aus Westen (Norweger), Süden (Schweden) und Osten (Russen) nutzten das Fehlen von Staatsgrenzen und von Staatsgewalt für sich. Im heute schwedischen Teil Sápmis waren es dann seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts die Birkarlar, die – ausgestattet mit königlichen Privilegien – den Handel organisierten. Die Samen erlebten eine ökonomische Blütezeit, sie waren Teil eines funktionierenden Handelsnetzes unter Führung der Hanse. Wollstoffe und Silberschmuck hielten Einzug in die samische materielle Kultur.

 

Die Ostsamen wurden im 16. Jahrhundert einer Einwanderungswelle aus Sibirien ausgesetzt. Die Komi, ursprünglich aus Zentralsibierien stammend, wanderten mit sehr großen Rentierherden ein.

 

In der Mitte des 16.Jahrhunderts war die Aufteilung zwischen den Mächten im Norden Fakt. Der Druck auf die Samen durch die staatlich geförderte Ansiedlung von Neubauern (nybyggare) war stark: Die Lebensweise der Samen geriet immer mehr in Konflikt mit den Bedürfnissen der Siedler – und umgekehrt! Ein Teil der Samen wurde sesshaft und lebte fortan von Viehwirtschaft (Kühe, Ziegen) in den Wäldern und vom Fischfang. Viele jedoch gingen über zu einer intensiven Renwirtschaft. Die Tiere wurden Individualeigentum, obwohl sie weiter frei von Weide zu Weide zogen; die Reneigner mit den Familienverbänden der Siida folgten ihnen und legten entlang der Wanderrouten temporär bewohnte Siedlungen an. Sie organisierten sich in Wirtschaftsgemeinschaften, Sameby. Das Zusammenleben der Reneigner mit der sesshaften Bevölkerung und ihre Rechte zum Betreiben der Renweidewirtschaft wurden durch staatliches Recht geregelt. Die grenzüberschreitende Renweide wurde zwischen Norwegen und Schweden in einem Anhang zum Grenzvertrag von 1751 detailliert geregelt, im noch heute geltenden Lappkodicillen.

 

Feste Marktplätze und Markttage wurden eingerichtet. Hier trafen sich und treffensich noch heute alle, die das Jahr über verstreut in der dünn besiedelten Weite des Landes wenig Kontakt zu anderen Menschen hatten. Handel wurde getrieben, Waren aus dem Süden gegen die Produkte der Wildnis des Nordens getauscht. Amtsangelegenheiten wurden erledigt und Gericht gehalten, denn die Obrigkeit war bei diesen Gelegenheiten präsent. Verabredungen wurden getroffen, geschäftliche und persönliche. Man verliebte sich, man verlobte sich und es wurde Hochzeit gefeiert. Und es wurde gefeiert! Und so ist es noch heute auf den traditionellen Märkten in Sápmi.

 

Noch immer sind die samischen Märkte Veranstaltungen für die  Samen und die anderen Bewohner des Nordens. Seit über 500 Jahren in ununterbrochener Reihe findet der Jokkmokks Vintermarknad vom ersten Donnerstag im Februar einen jeden Jahres für drei Tage statt. Geändert haben sich zum Teil die feilgehaltenen Waren – viel Unsinniges kommt heute aus der westerländischen Welt, was bald kaputt geht oder dessen Überflüssigsein bald zutage tritt – aber die frohe Stimmung ist geblieben.  

 

Was dabei rauskommt, wenn eine Redaktion einen Reporter nach Sápmi schickt, der sich nicht auskennt und nur die Oberfläche sieht, wie einer, der nur ein Ritual beobachtet, ohne dessen Sinn zu erfassen, ohne die historischen Hintergründe und kulturellen Inhalte zu erkennen, kann man an dem Beispiel des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ studieren. Im Dezember 2004 überschrieb eben dieser „Spiegel“ einen Artikel über den Jokkmokks Vintermarknad ganz dumm mit  „Karneval bei minus zehn Grad“. Der Reporter Ulf Grüner hat nichts verstanden und deshalb auch nichts erlebt, was das Wesen des Wintermarkts ausmacht. Die Oberfläche eines Bildes hat er vielleicht gesehen – nicht aber dessen Seele erspürt! Seine Assoziation war „Karneval“, weil er offensichtlich für das lebendige Treiben, das er sah und hörte, keine anderen Anknüpfungsmöglichkeiten zwischen seinen Ohren gespeichert hatte. Aber so mangelhaft ausgestattet hätte er seine schreibenden Hände besser von der samischen Kultur weggelassen. Vorträge, Konzerte, Theater und Begegnungen sind eben nicht für die Touristen gemacht und haben mit "Karneval" nichts zu tun. (Obgleich sie als Besucher willkommen sind, als Gäste.)

 

Aus dem Angebot des als „Karneval“ deskreditierten Wintermakts hier ein paar Programmbeispiele für 2012: Thementage im Rahmen der Jokkmokk Winter Conference sind unter anderem "Transition from understanding to Action. A changing world: Human impacts and human challanges" und "Strategies and solutions: How to develop a joined understanding“ und "What if? How do we manage the challange?" Ist das typisch “Karneval” für Touristen? Oder wie wär’s mit: ”Verheiratet, geschieden, zusammenleben oder Todesfall: Das Renwirtschaftsgesetz aus Genus- und Kinderperspektive.“ Oder vielleicht ist der deutsche Karnevals-Tourist mehr auf Mattias Åhrens (Professor für internationales Recht) Vortrag eingestimmt: „Das Recht auf Nichtdiskriminierung; das Recht, gleich oder verschieden zu sein und warum die Frage entschieden werden kann, ob den Samen das Fjäll gehört.“ Und für alle Karnevalstouristen, die vom ”Spiegel” aus Deutschland an den Polarkreis gelockt werden noch diese Empfehlung: Jane Juuso und Sylvia Saparr berichten über das südsamische Sprachprojekt  „Ich hole mir meine Sprache zurück!“ und die Touristenkinder können ja derweil Elli-Karin Pavval zuhören, wenn sie samische Märchen auf Lulesamisch erzählt.

 

Und unser Freund Sture kauft jedes Jahr auf dem Wintermarkt seinen Jahresvorrat an großen stabilen Müllsäcken (ganz so, wie die Touristen beim Karneval in Kölln).

 

In ganz Sápmi betreiben jetzt noch ca. 10.000 Samen Renzucht (davon ca. 2.500 in Schweden), wobei die Allermeisten noch anderen Erwerbstätigkeiten nachgehen. Die heutige samische Renwirtschaft ist organisiert in 51 Wirtschaftsgemeinschaften mit Selbstverwaltungbefugnissen, den samebyar. Sameby ist sehr wohl mit „Samendorf“ zu übersetzen – dies darf aber nicht zu der falschen Annahme führen, es sei ein „Dorf“ in unserem Sinne des Wortes gemeint. „Sameby“ ist zugleich ein großes geographisches Gebiet, in dem die Renwirtschaft betrieben wird und eine Wirtschaftliche Vereinigung. Mehrere Reneigner bewirtschaften gemeinsam große Herden. Die Tiere sind Individualeigentum Einzelner. Das zu bewirtschaftende Gebiet ist nicht Privateigentum der Samen, sondern es unterliegt ihrem Nutzungsrecht als Ursprungsvolk. Die Gebiete erstrecken sich oft über hunderte von Kilometern entlang der Wanderwege der Renherden, auch über Staatsgrenzen hinweg. Innerhalb des sameby bestehen Familiengruppen (siida) zur gemeinschaftlichen Organisation der Arbeit.

 

Es ist heute eine extensive Renwirtschaft. Die Herden bewegen sich frei und nur wenige Hirten sind ständig bei ihnen zur Aufsicht und zum Schutz vor Räubern und Raubtieren. Die Familien ziehen nicht mehr mit den Herden. Doch zu bestimmten Zeiten werden die temporären Siedlungen in der Abgeschiedenheit der Wälder, der Tundren und Gebirge mit Leben erfüllt. Mit Helicopter und Geländemotorrädern und „Quads“, wenn Schnee liegt mit Motorschlitten, ziehen die Reneigner und ihre Familien zu den Standorten der Rentiere und die kleinen Siedlungen erwachen zum Leben, so, wie es seit undenklichen Zeiten war. Und bei einigen Samen ist es wieder „modern“, zu Fuß zu wandern, sich auf Skiern zu bewegen oder mit dem Rentierschlitten zu fahren. Kälbermarkierung, Schlacht und Renscheidung sind die großen Fixpunkte im Jahreslauf der Rentiere und ihrer Hirten.

 

Im Frühsommer ist Kälbermarkierung. Die Tiere werden gesammelt und in großen Gehegen werden die neugeborenen Kälber an den Ohren mit den individuellen Markierungen ihrer Eigentümer gekennzeichnet. Jeder Reneigner besitzt seine registrierte Marke.  


Mehrere tausend Tiere laufen in der weiträumigen Koppel im Kreis. Nach der Aufregung des Zusammentreibens müssen sie sich erst wieder beruhigen und die Kälber zu iohren Müttern finden. Die Menschen verhalten sich außerhalb der "rengärde" ruhig, um diese Beruhigungszeit nicht zu stören und wenn die Kälber wieder bei ihren Müttern sind und sich alle beruhigt haben (wir Menschen aus den städtischen Kulturen würden zur Uhr sehen und sagen, es hätte ungefähr eine Stunde gedauert) steigen dann die ersten mit ihren Lassos zu den Tieren hinein. In der sich bewegenden Herde erkennen sie an den Markierungen an den Ohren der Rentiere, wem das Muttertier gehört und fangen dann mit dem Lasso das dzu gehörende Kalb. Das Kalb wird auf den Boden gedrückt und festgehalten, während mit geübter Hand und scharfem Messer die Markierung eingeschnitten wird. "Für die Statistik" wird ein Abschnitt des Ohrs in die Tasche gesteckt - hinterher wird gezählt. Ich sehe nur vorbeilaufende Tiere, aber erkenne keine Ohrenmarkierungen, so dass mir die Familienmitglieder immer zurufen müssen, welches Kälbchen gefangen werden soll.  

 

Im Herbst ist Schlachtzeit. Die männlichen Tiere (sarv) sollen so dickgefressen wie möglich sein, dürfen aber noch nicht in der Brunft sein, damit das Fleisch nicht „bitter“ schmeckt. Die Tiere werden gesammelt und zu den Schlachtpferchen getrieben. Heutzutage liegen diese Schlachtplätze an Straßen (zum teil dafür angelegten Waldstraßen), damit mobile Schlachtereien dorthin gebracht werden können. Die EU verlangt Schlachthygiene, einschließlich Anwesenheit eines Veterinärs. Aber tausend und abertausende schwedischer Jäger erlegen jährlich in den Wäldern Elche und zerlegen sie draußen in der Natur, ohne Schlachtanlage und ohne Veterinär . . . 

 

Um aus den dicken Herbsttieren einen „lebenden Vorrat“ zu machen, hat man irgendwann einmal begonnen, einige Tiere vor der Brunft zu sterilisieren. Als Nebeneffekt wird dadurch erreicht, dass diese Tiere (härk) für die Arbeit als Trage- und Zugtier wesentlich leichter zu trainieren sind. So wurde schon in lange zurückliegenden Zeiten das gezähmte Ren zum gewöhnlichen Arbeitstier der Samen. Bevor die Tierschutzvorschriften der westerländischen Kultur Sápmi erreichten, war es üblich, zum Sterilisieren die Samenstränge mit den Zähnen durchzubeißen. Heutzutage wird eine spezielle Zange dafür benutzt, die ich in einer Ledertasche um den Hals gehängt habe, um sie schnell zur Hand zu haben, wenn das Rentier mit Lassos festgesetzt und zu Boden gedrückt ist. Bei den stärksten und wildesten Tieren sind wir mindestens drei Leute, die beim Sterilisieren festhalten. Angeblich – bitte, das ist sicher so ein „Getratsche“, skvaller, den die Jungs so verbreiten – sollen einige junge samische Frauen sich einen Spaß daraus machen, zur alten Sterilisierungsmethode zurückgekehrt zu sein.

 

Im Mittwinter werden die Herdengesammelt und in Gehegen geschieden. Das ist die Renscheidung, renskiljning, damit sie getrennt nach Familiengruppen zu den Winterweidegbieten ziehen. Die Tiere werden gezählt, registriert und geimpft.

 

Im Frühlingswinter beginnt der Jahreskreislauf von neuem. Die Tiere ziehen aus den Wäldern hinaus auf dieTundra. Auf den schneefreien Flecken werden die Kälber geboren und die Herden ziehen auf die Sommerweiden.

 

Im Sommer 2008 lag der Preis für ein Kilo Renfilé im schwedischen Supermarkt ICA bei 350:- skr. (ca. 40,- Euro).

 

Die ursprünglichen religiösen Vorstellungen der Samen gehen davon aus, dass die Natur von göttlichen Mächten erschaffen wurde und noch immer von diesen Mächten beseelt ist. Aus dieser Vorstellung wird die Achtung vor der Schöpfung genährt. Es ist gleichermaßen wichtig, in Einklang mit der Natur zu leben, wie in Harmonie mit den Mitmenschen.

 

In der samischen Vorstellung von der Welt gibt es drei Sphären:  Die himmlische, die irdische und die unterirdische. Sie alle werden von Göttern und göttlichen Wesen bewohnt. In der irdischen Welt leben außerdem die Menschen und die Tiere und in der unterirdischen Welt weilen die Toten.

 

Die Götter der alten samische Religion

Rádienáhttje, auch Väráldaráde genannt, seine Frau Rádienáhkká und deren Sohn sind die obersten erschaffenden Götter. Rádienáhttje erschuf die menschliche Seele und gab sie weiter an die Stammmutter Máttaráhkká.

 

Sie und ihre Töchter Sáráhkká, Uksáhkká und Juoksáhkká sind die Göttinnen des Heims. Sie leben bei den Menschen in der kåta, dem Wohnzelt. Sie haben wichtige Aufgaben in Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt. Máttaráhkká bekommt die Seele des Kindes von Rádienáhttje und reicht sie weiter an Sáráhkká. Diese setzt sie in den Mutterleib ein. Sáráhkká beschützt die Frauen während der Schwangerschaft und hilft während der Entbindung, auch den Renkühen beim Kalben. Sáráhkká ist die meistgeliebte unter den Göttern und wird sowohl von Frauen als auch von Männern hoch verehrt.

 

Juoksáhkká bringt man Opfer, wenn man einen Sohn haben will (man glaubt nämlich, dass alle Föten anfänglich Mädchen seien). Uksáhkká nimmt bei der Geburt das Kind in Empfang und beschützt es bei seinen ersten Schritten. Sie wohnt in der Tür der kåta und beschützt die Menschen bei ihrem Ein- und Ausgang.

 

Verschiedene Naturphänomene wie Sonne, Mond, Gewitter und Wind werden als göttlich angesehen. Sie sind lebenspendend und haben gute und schlechte Seiten. Die Sonne (Biejvve) ist eine zentrale Göttin, die allen Geschöpfen Leben spendet. sie gibt Licht, Wärme und Fruchtbarkeit.  Das Gewitter (Horagalles oder Dierpmis) gibt Regen, der das Land grünen lässt und mit seinem Bogen, dem Regenbogen, vertreibt er böse Geister und Trolle. Bieggolmai herrscht über die Winde.

 

Der Gott der Jagd Liejbbeålmåj  herrscht über die wilden Tiere, Tjáhtjeålmåj über Flüsse und Seen.

 

Der Schamane (nordsamisch: noaidi, lulesamisch: noajdde, südsamisch: nåejttie, skoltamisch: nōjjd, tersamisch: niojte, kildinsamisch: noojd/nuojd, schwed.: noaide) gewährleistetet die Vermittlung zwischen den Menschen und dem Übersinnlichen. Er (gleichsam Mann oder Frau) ist Arzt, Sozialpädagoge, Magier und Priester im Dienste der menschlichen Gesellschaft. Ist das Verhältnis zwischen den Geisterwelten und den Menschen gestört, wird dies zur Bedrohung und der Noaide soll das Gleichgewicht zwischen den Welten wiederherstellen. Er reist durch die anderen Welten und besucht die Gesister, um mit ihnen zu verhandeln und zu ringen. Ihm zur Seite stehen seine Hilfsgeister, oft in Tiergestalten. Vermisste oder gestohlen Seelen werden gesucht und zurückgeholt. Er findet und analysiert feindliche Gegenstände, die Schaden verursachen. Er erkennt verheimlichte, vergangene oder künftige Ereignisse. Gefährdete Seelen nimmt er in schützendes Gewahrsam. Er geleitet die Seelen ins Reich der Toten. Er übt die Jagdmagie aus und hilft beim Auffinden von Beute. Er ist der Opferpriester bei der Verehrung der Götter und Hüter der Traditionen.

 

Seine Trommel ist Wegweiser in die anderen Welten und Gerät zur Erreichung von Trancezuständen. Die Trommel des Noaiden ist kein Musikinstrument! Tobbe sagt, die Trommel sei „das Telefon des Noaiden, über das er mit den Geistern kommuniziert.“  Sie wird als Rahmentrommel aus dem Holz eines Baumes gefertigt, der dem Noaiden im Traum gezeigt wurde und mit der Haut eines Tieres bespannt, das dem Noaiden im Traum erschien. Lange können mitunter die Suche nach dem Baum und dem Tier währen. Das Trommelfeld wird mit Symbolen aus dem Leben und der Geisterwelt bemalt. Typisch ist dabei die Unterteilung der Trommelfläche in die drei Welten oder in mehr als drei Felder, wenn die Welten noch weiter unterteilt wurden. Der Noaide legt einen Messiingring auf dasTrommelfeld und schlägt mit einem Schlägel die Trommel. Der Messingring hüpft nun über die Trommel und aus dem Weg, den der Messingring über die Symbole nimmt, erfährt der Noaide, was ihm mitgeteilt werden soll.

 

Die Verehrung des Göttlichen fand an markanten Stellen in der Natur statt, den heiligen Wasserfällen oder Seen oder Felsformationen; auch bestimmte Steine (saite) wurden als Manifestation des Göttlichen angesehen. Bestimmte Seen, Quellen und Öffnungen in Felsen und im Boden galten als Durchlassstellen zwischen den Welten.

 

Bierra Nisse hat mir strikt untersagt, einen von Randi gemachten schönen Silberanhänger mit dem Zeichen des Windgottes auf der winterlichen Tundra an einer Kette um den Hals zu tragen! Als ich daraufhin mein Amulett im Rucksack verschwinden ließ, legte sich der Schneesturm und wir konnten noch am selben Nachmittag weiterziehen.

 

Die Kirche begann am Anfang des 17. Jahrhunderts ernsthaft mit ihren Bemühungen, die Samen zu christianisieren. Der Besitz von Trommeln wurde unter Todesstrafe gestellt und sie mussten abgeliefert werden und wurden verbrannt; nur wenige kunstvoll gemachte Exemplare sind in Museen erhalten. Das Joiken, eine samische Gesangsform, wurde als Teufelswerkzeug verboten. Heute sind die Samen überwiegend reformierte Christen, teils in Erweckungskirchen und Freikirchlichen Gemeinden.

 

Die Samen – die Urbevölkerung in Sápmi/Lappland

Sápmi/Lappland umspannt ein bogenförmiges großes Gebiet; es erstreckt sich von den nördlichen Teilen der schwedischen Provinz Dalarna entlang der norwegischen Nordwestküste und der westlichen Teile Nordschwedens über norwegisch Finnmarken am Eismeer und Nordfinnland bis zur russischen Kolahalbinsel.

 

Die Samische Bevölkerung in

Norwegen        65000

Schweden        20000

Finnland             8000

Russland           2000

insgesamt ca. 80000

 

Ihre Herkunft ist ungewiss. Im KIERIKKI (Archäologisches Ausstellungs- und Erlebniszentrum bei der nordwestfinnischenStadt Yli-Ii) finden sich auf zwei Schautafeln bedeutende Beweise für die Theorie, dass die Samen von einer sehr alten Renjägerkultur herstammen, die in Südfrankreich die letzte Eiszeit verbrachte. Danach haben die heute lebenden Samen die engste genetische Verwandtschaft mit den Basken. Mit dem Ende der letzten Eiszeit folgten diese Renjäger aus Westeuropa dem zurückweichenden Eis nach Osten und Norden. Sie folgten damit dem ihnen vertrauten Klima, der daran geknüpften Vegetation und der Tierwelt. Sie teilten sich in einen Strang, der die entstandene Ostsee nördlich umrundete und einen Strang, der südlich der Ostsee zog.Spuren dieser Züge sind im Heimatmuseum Berlin-Reinickendorf (die Funde vom Titusweg) und im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum für Vor- undFrühgeschichte im Schloss Gottorf zu sehen. Die Sprache der Samen ist eine urgu-finnische und am engsten verwandt mit dem Finnischen, was darauf schließen lässt, dass die Samen eine ältere Sprache zugunsten der Sprache der von Osten eingewanderten späteren Siedler aufgaben.

 

Bengt, früher Direktor des Museums Ájtte in Jokkmokk, meint, ihm seien die genetischen Verwandschaften nicht so wichtig. Bedeutender aus seiner Sicht sei, dass es sich um eine deutliche kulturelle Verwandschaft handelt. Eine ununterbrochene Renjägerkultur! 

 

Die Sprache der Samen gehört nicht zu den indo-europäischen Sprachen, sondern zur großen Familie der urgu-finnischen Sprachen und ist am nahesten verwandt mit Finnisch. Die Samen haben viele verschiedene Dialekte, die noch unterschiedlicher sein können, als Bayerisch und Plattdeutsch, so dass ein Südsame aus Dalarna einen Ostsamen von der Kolahalbinsel nicht verstehen kann. Um sich untereinander zu verständigen benutzen die Nachbarn dann oft die Sprache des Landes, in dem sie leben (also zum Beispiel Schwedisch oder Finnisch). Am weitesten verbreitet ist heute das Nordsamisch, das in Nordnorwegen, Nordschweden und Nordwestfinnland gesprochen wird.  

 

Zur Rettung der vom Verschwinden bedrohten samischen Sprachen werden Programme aufgelegt, Lehrer ausgebildet, Lehrmaterial geschaffen und Kurse eingerichtet. In ganz Sápmi finden wir heutzutage zweisprachige oder mehrsprachige Ortsschilder. In den jeweiligen Grenzgebieten leben auf beiden Seiten der Grenzen Menschen, die als Muttersprache die Sprache „von der anderen Seite“ sprechen. Über viele Generationen vermischen sich dort die Sprachen und es entsteht eine neue Sprache, zum Beispiel das „Tornedalsfinnisch“ an der Grenze zwischen Finnland und Schweden. Meänkieli, (wortwörtlich „unsere Sprache“), finn. Tornionlaaksonsuomi. Doch selbstverständlich sprechen die Samen (und die Tornedalningar) auch ihre jeweilige „Staatssprache“. Als Fremdsprache ist Englisch weit verbreitet.

 

Durch Beschlüsse des (staatlichen) Lantmäteriverkets von 1983, 1988 und 2000 wurde auf allen Landkarten, die samischsprachiges Gebiet abdecken eigeführt, dass Ortsnamen in der samischen Schreibweise angegeben werden. Dabei können alteingebürgerte Namen zusätzlich in der schwedischen oder verschwedischten Fassung angegeben werden. Dies entspricht der Resolution 36/1972 der Londoner UNO-Konferenz über Standardisierung von Ortsnamen.

 

Nach der Lebensweise der Samen unterscheidet man in See-Samen, die hauptsächlich vom Fischfang leben (viele von ihnen leben an der norwegischen Küste und auf der Kolahalbinsel), die Wald-Samen, sie fischen in den Binnenseen und haben Ziegen und eine Rentierrasse, die im Wald lebt und nur kurze Strecken wandert, und den „Fjäll-Samen“ (Gebirgs-Samen), die mit den Renen zwischen Sommerweide auf der Bergtundra und Winterweide in den flachen Waldgebieten übe rweite Strecken nomadisieren.

 

Mit Beginn der intensiven Besiedlung ihres Landes durch Norweger, Schweden, Finnen und Russen wurden die Samen immer mehr in die abgelegene Wildnis abgedrängt und sie mussten sich an die neue staatliche Ordnung anpassen. Christliche Missionare kamen und die alte Naturreligion mit Schamanen als Vermittler zwischen den Menschen und der Geisterwelt wurde weitgehend durch das Christentum abgelöst.

 

Im Konflikt der Renjäger mit den Neusiedlern wurden die Samen zu Beginn des 17. Jahrhunderts zu Eigentümern der Renherden und zu Renzüchtern und es wurde genau geregelt, welche Rechte und Pflichten sie haben, damit sie und die Siedler friedlich zusammen leben könnten. Tatsächlich gab es auch Symbiosen zwischen renwirtschaftlichen Samen und Neusiedlern derart, dass den Siedlern einige Rentiere gehörten, die bei den Samen gehütet wurden und Samen, die bei den Bauern Haustiere unterzustehen hatten oder bei deren Höfen Winterquartier nahmen.

 

Aber im Laufe der nächsten Jahrhunderte wurden sie immer mehr unterdrückt, weil sie ihre Kinder in Schulen schicken mussten, wo sie ihre Muttersprache nicht mehr lernten, ihre Gesänge (jojk) wurden als heidnisches Teufelsritual verboten, ihre Kultur wurde von der Kultur der Staaten, zu denen sie nun gehörten, überdeckt und in der Mitte des 20. Jahrhunderts waren sie besonders in Russland und in Norwegen ein wenig geachtetes Volk und wurden beleidigt und als arm und schmutzig und versoffen beschimpft.

 

1826 kam der Priester Lars Levi Laestadius nach Karesuando (Gárasavvon),  wo zu der Zeit ein paar hundert Menschen wohnten, hauptsächlich Samen. Die meisten lebten in Armut und der Schnaps floss in Strömen. Laestadius begann seinen Kampf gegen den Alkohol. Ein samisches Mädchen soll ihm den Weg zum „wahren Leben“ gewiesen haben und er wurde der eifrigste und schließlich bekannteste Erweckungsprediger des Nordens. Buße ist ein zentrales Mittel zur Besserung. Nüchternheit wichtiger Teil des Kampfes gegen die „irdischen Sünden“ des Saufens, des Diebstahls und der Hurerei und was dem mehr an Sünde ist. Die Anhänger der nach ihm benannten Erweckungsgemeinden lebten und leben zum Teil noch heute sehr streng puritanisch. Bei den „strengsten“ unter ihnen sind Alkohol, Fernsehen, Verhütungsmittel, Blumenschmuck im Haus und auf Gräbern, Bilder an den Wänden, bunte Kleidung und Schmuck und Arbeit an Sonntagen verpönt. Die Frauen sollen keine modernen Hüte und Mützen tragen, sondern Kopftücher, Schlips und Kragen der Männer wurden verdammt. Alles Neue, und seien es Fahrräder, war zunächst verdächtigt, sündhaft zu sein. Es wird viel und lange aus der Bibel gelesen und gebetet, mitunter bis zum Erreichen von Ekstase – der „Erweckung“. Vieles von diesen Grundhaltungen findet man noch heute in den nördlichsten und abgelegendsten Teilen Sápmis. Laestadianismus wurde von Nordnorwegen und Nordschweden nach Finnland, in die baltischen Staaten, nach Ungarn, Afrika und Amerika verbreitet. Die meisten Laestadianer leben heute in Finnland.

 

Auch in der schwedischen Gesellschaft gibt es eine starke Nüchternheitsbewegung. Sie hat aber keine religiösen Beweggründe, sondern beruht auf den typisch schwedischen Vorstellungen von möglichst "absoluter" Freiheit, wozu dann eben auch gehört, keine Suchtmittel zu konsumieren. Denn merke: Der Schwede macht sich nicht abhängig! 

 

Das 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts brachten den Samen Rassismus, Diskriminierung und Unterdrückung. Sie wurden als primitiv, rückständig und minder intelligent bezeichnet, ihre Lebensweise galt als ungeeignet, das Land ökonomisch sinnvoll zu nutzen. Ein Beispiel hierfür ist ein norwegisches Gesetz von 1902, wonach nur der Land besitzen durfte, wer Norwegisch sprach. Sie sollten Norweger werden oder Schweden oder Finnen oder Sowietbürger. Es war nicht von Vorteil, „Lappe“ - also Same - zu sein. Viele wählten den Weg in die Assimilation; sie gaben ihre Sprache nicht mehr an ihre Kinder weiter und vergaßen viele Traditionen. Doch besonders bei den Reneignern, den Fjällsamen, bewahrten sich die alten Lebensweisen, alte Traditionen und der Stolz, ein Same zu sein und eine große Renherde zu besitzen.

 

Es wird wohl so gewesen sein, dass es den sozialdemokratischen und sozialistischen Regierungen nach 1945 ein Anliegen war, nicht nur für „soziale Gleichheit“ und Gendergerechtigkeit zu sorgen, sondern auch ethnische und kulturelle Ungleichheiten zu beseitigen. So war – um dies als Beispiel zu nennen – „Norwegisierung“ (fornorskning) vielleicht sogar gut gemeint, kanske, kanske inte – doch mit fatalen Folgen für die samische Identität. Tromsø beispielsweise war samisch aber Ende der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde dort nur noch an der Universität Samisch gesprochen. Viele Samen hatten sich ganz in die „moderne Gesellschaft“ integriert und wollten nicht mehr daran erinnert werden, dass sie Samen sind.

 

Doch in den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts haben auch die Samen, wie auch die Indianer in Nordamerika, wieder angefangen, stolz auf ihre Eigenheiten zu sein, auf ihre Kultur und besonders darauf, dass sie eine Wirtschaft betreiben, die die Natur nicht zerstört, sondern sich an die Natur anpasst. (Das nennt man eine nachhaltige ökologische Wirtschaft.) Besonders in der norwegischen Finnmark wurde die Debatte um die Situation der Samen sehr gefühlsgeladen und es gab sogar verbreitet die Vorstellung, die Samen könnten den Wunsch hegen, sich vom Nationalstaat Norwegen zu lösen. Auf dem Hintergrund der „Norwegisierungspolitik“ scheint dies nicht zu verwundern. Doch letztlich fürchteten sich sowohl die Norweger als auch die Samen vor solchem „Extremismus“.

 

Die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren gekennzeichnet von einem Erwachen des samischen Selbstbewusstseins – über die Staatsgrenzen hinaus. Die jungen Samen lernten wieder die Sprache ihrer Großeltern. Trachten, Traditionen, Kunsthandwerk erlebten stolzen Aufschwung. Seit 1986 haben die Samen aller Länder eine gemeinsame Flagge. Viele junge Samen sprechen untereinander samisch und die Trachten werden von ihnen stolz getragen. Viele junge Künstler und Sänger befördern die samische Art zu malen und zu singen in die Gegenwart. Künstler und Kunsthandwerker wiederholen nicht nur Traditionelles, zum Beispiel bauen sie Trommeln, sondern sie entwickeln aus denTraditionen eine lebendige samische Gegenwartskunst und eine tragfähige Zukunft. Jojk wird mit Musik zusammengeführt und aus den Trachten entsteht samisch inspiriertes wunderschönes Modedesign (wunderschön!). Samische Kultur ist nichts rückwärts Gerichtetes, sondern lebt in den Ideen und Handlungen der jungen Generationen.

 

Die heutigen Samen wollen modern sein und sie benutzen für ihre Wanderungen auch Hubschrauber und im Winter Motorschlitten, aber sie achten die Natur und zerstören sie nicht. Und nochimmer gibt es die aktuellen Konflikte um die Renweidegebiete. Die Südsamen prozessieren jahrelang gegen die privaten Waldbesitzer. Im Norden „tobt ein Krieg“ zwischen schwedischen Samen und norwegischen Behörden um Sommerweiden, um Gehege für die Kälbermarkierung und um den Bau einfacher Renwächterhütten. In finnisch Sápmi werden Wälder von der Zellstoffindustrie bedroht. Überall greift die Montanindustrie nach den Bodenschätzen. Die Stromwirtschaft hat Flüsse gedämmt und Weide- und Siedlungsgebiete überflutet und die Wanderwege der Renherden zerschnitten und in den Sommerweidegebieten auf den Tundren sollen nun  „Windparks“ entstehen –  fürStrom, den die Samen (und die anderen Bewohner in den dünn besiedelten Gebieten des Nordens) gar nicht brauchen, für einen „Bedarf“ an Energie, der nur der Maßlosigkeit der Städte an der Küste und des Südens geschuldet ist, der Gier der westerländischen Wachstumsidiologie.

 

Was „Globalisierung“ auch bedeuten kann, erfuhren die Samen bitterlich 1986, als die Menschen in der fernen Ukraine nicht in der Lage waren, das Atomkraftwerk von Tschernobyl ordentlich zu betreiben und eine Kernschmelze verursachten. An die 75.000 Rentiere wurden südlich des Polarkreises getötet, weil ihre Körper mit radioaktivem Material verseucht waren. Noch heute, 25 Jahre danach, werden Cäsiummessungen durchgeführt (Cäsium als „Leitisotop“, anhand dessen Vorkommen auf die Gesamtbelastung hochgerechnet wird) und die Belastung des Fleisches wird durch Zufüttern von Fabrikfutter künstlich gesenkt, weil mit der natürlichen Nahrung in der Natur zu viel radioaktives Material aufgenommen wird.

 

Nur noch wenige Samen leben vollständig und ausschließlich von der Renwirtschaft, zum Beispiel als hauptamliche Hirten der Samedörfer (samebyar). Sonst stehen sie in Arbeitsverhältnissen oder sie sind selbständige Unternehmer, gern in der Touristik oder der Nahrungsmittelwirtschaft. Doch ob Lehrer, Busfahrer, Lokomotivführer bei der Bergbaugesellschaft, Buchhalter oder Touristenführer – wenn die Natur und die Rentiere rufen, sind sie alle zur Stelle und arrangieren sich mit ihren jeweiligen Arbeitgebern oder mit ihrem eigenen Geschäftsablauf über die Freistellungen für die Arbeit mit den Rentieren, also hauptsächlich die Kälbermarkierung, die Schlacht und die Renscheide und die Jagd. Die Freiheit, in der Natur nach deren Gesetzten zu leben, ist für diejenigen unter den Samen, die sich dafür entscheiden von hohem Wert.

 

Samische Selbstverwaltung. Seit Mitte der neunziger Jahre der 20.Jahrhunderts (ca. 1994) dürfen die Samen in allen Staaten, in denen sie leben, viele Dinge, die ihr Leben betreffen, selbst verwalten. In den Gemeinden, die in samischem Gebiet liegent, sind die Straßenschilder auch auf Samisch und in den Gemeindebehörden darf man Anträge auf Samisch stellen. Es gibt Samische Schulen und Kindergärten. Es gibt Samische Zeitungen und Bücher, es gibt samische Radiosender (sogar in Kildinsamisch auf der Kolahalbinsel) und in Guovdageaidnu (Kautokeino) wurde 1990 "Sami Allaskuvla", eine samische Hochschule, eröffnet

 

Die Samen aus allen vier Staaten haben eine gemeinsame beratende Versammlung, einen Nationalfeiertag (6. Februar), eine gemeinsame Flagge und eine gemeinsame Fußballnationalmannschaft.

 

Die "Selbstverwaltung" in den Samebyar ist (ganz unabhängig von den gesetzlichen Reglungen) etwas sehr lebendiges. Wenn zum Beispiel aus Anlas der Kälbermarkierungen die Sommersiedlungen bewohnt sind, gehen wir mit Carina und Bierra Nisse "ins Dorf", das heißt, wenn wir alle nach einer langen harten Markierungsarbeit ausgeschlafen sind, besuchen wir die anderen Familienmitglieder, die anderen Mitglieder der Siida und überhaupt "die Anderen". Es wird geredet. Viel geredet. Viel Kaffee getrunken. Die Meinungsbildung wird vorbereitet. Und nach jeder Markierungsarbeit, bevor alle erschöpft zu ihren Hütten unt Lavvus gehen, stehen alle in Gruppen in der Rengärde oder außen herum in Gruppen und diskutieren. Diskutieren viel. Und diskutieren heftig. Die Meinungsbildung ist ein sehr lebhafter und lebendiger Vorgang.  Jeder, der etwas sagen will, kommt zu Wort. 

 

Sápmi ist kein selbständiger Staat. Gleichwohl genießen die Samen in Norwegen, Schweden und Finnland eine gewisse Selbstverwaltung (ein bisschen Vergleichbar der kommunalen Selbstverwaltung in Deutschland). In Russland haben sie ebenfalls ein eigenes beratendes Gremium. Es gibt samische Schulen und in den Behörden im Siedlungsgebiet der Samen können Amtsangelegenheiten auch auf Samisch geregelt werden.

 

Ein Beispiel für Schweden: Nach dem Gesetz „Lag om nationella minoriteter och minoritetsspråk (2009:724)“ (Gesetz über nationale Minderheiten und Minderheitensprachen) sind folgende Gemeinden samisches Verwaltungsgebiet: Arjeplog, Arvidsjaur, Berg, Gällivare, Härjedalen, Jokkmokk, Kiruna, Lycksele, Malå, Sorsele, Storuman, Strömsund, Umeå, Vilhelmina, Åre, Älvdalen und Östersund. Gemäß Kapitel 13 „Skollag (2010:800)” (Schulgesetz) sind in diesen Kommunen Sameschulen einzurichten, ”Sameskolan ska ge en utbildning med samisk inriktning som i övrigt motsvarar utbildningen i årskurserna 1-6 i grundskolan.” (also eine Schule mit samischer Ausrichtung, die im übrigen einer sechsjährigen Grundschule entspricht).

 

Bierra-Nisse sagt hierzu: ”Men det betyder inte att det är gränsdragning varken för Lappland eller Sápmi. Det täcker i stora delar enligt Svensk lagdet samiska området i Sverige och att resurser kan utdelas till dessa områden för befrämjande av nationella minoriteter och  minoritet språk. Sápmi är ett större område enligt oss och kan inte bestämmas ensidigt genom Svensk lag som ett förvaltnings område. Det är bra att det finns men är inte heltäckande, känns nästan som ett reservat.”

 

(„Aber das bedeutet nicht, dass das eine Grenzziehung ist, weder für Lappland noch für Sápmi. Das deckt in großen Teilen gemäß schwedischem Gesetz die samischen Gebiete in Schweden und dass in diesen Gebieten Ressourcen vergeben werden können zur Förderun gnationaler Minderheiten und von Minderheitensprachen. Wenn es nach uns geht ,ist Sápmi ein größeres Gebiet und kann nicht einseitig vom schwedischen Gesetz als ein Verwaltungsgebiet bestimmt werden. Es ist gut, das es das gibt, aber nicht vollständig deckend; fühlt sich fast an wie en Reservat.“)

 

Zum Schluss noch dies: Früher sprachen auch wir Deutschen auf Deutsch von Lappland und den Lappen (sing.: ein Lappe). Doch als sich, das Selbstgefühl der Samen respektierend und deren eigenem Sprachgebrauch entsprechend, spätestens in den frühen achtziger Jahren des 20. Jhds. auch bei uns eine neue Sprachregelung durchzusetzen begann, übernahmen viele Lapplandfreunde direkt finnische oder englische Vorbilder oder sie hielten sich (wie ich selbst) an den vor vielen Jahren ausgesprochenen Vorschlag des „Svenska Institutet“ (SI), „Sami“ (Singular undPlural) für den deutschsprachigen Raum einzuführen. Von einem Linguisten und Germanisten ließ ich mich jedoch schnell eines Besseren belehren und lernte, dass es im Deutschen „Same“ heißen muss. Das SI hat gar nicht die fachliche Kompetenz, über Fragen der Deutschen Sprache zu entscheiden (oder auch nur Vorschläge zu unterbreiten). Und schon gar nicht die formale Zuständigkeit für die deutsche Rechtschreibung! Maßgeblich für die deutsche Rechtschreibung ist vielmehr „Die Amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung“, nachzuschlagen in Wörterbüchern, die nach Erklärungen des jeweiligen Verlags der amtlichen Regelung entsprechen, namentlich der Duden. Im Nordsamischen heißen die Ureinwohner Sápmis singular: sabme, plural: samek. Im Norwegischen und im Schwedischen sing.: same, pl.: samer. Die Übertragung ins Deutsche als „Singular: Sami, Plural: Sami“ ist falsch. Wir sagen ja auch nicht „Däni“ oder „Schweizi“ oder „Norwegi“. „Sami“ ist gar kein deutsches Wort. Es muss richtig heißen: Ein Same, mehrere Samen [die Samen (das Volk der Samen)]; vergl. Duden, Deutsche Rechtschreibung, 34. Auflage.

 

Herzlich Willkommen!

Bures boahtin! Hjertelig velkommen! Hjärtligt välkomna!  

Tervetuloa! Добро пожаловать!

 

Wer heute als Reisender nach Sápmi kommt, findet eine lebendige samische Kultur! Renwirtschaft, Kunsthandwerk, die samischen Märkte und die Trachten und die samischen Ortsschilder treten uns am markantesten entgegen. Unsere Freunde und Partner nehmen uns mit in ihre Welt in der Natur des Nordens. Und sie lehren uns die Kunst, nicht auf die Uhr zu schauen, sondern uns nach den Regeln der Natur zu bewegen und für eine Weile des Innehaltens in einer fremden Kultur zu leben! Offene gastfreundliche Menschen heißen uns willkommen!

 

Dies sind meine Widerspiegelungen dessen, was ich in Sápmi erlebt habe, was ich gefühlt habe, was mir erzählt wurde, was ich gehört habe und was ich gelesen habe.

 

Nur eine kurze Übersicht, nur mein Blick auf den „Hohen Norden“ Europas: Sápmi– Lappland! Dies sind meine höchsteigenen Assoziationen und nur meine eigenen Wahrheiten. Wer andere Wahrheiten, gegebenenfalls mit ordentlichen Quellenangaben lesen möchte, mag gerne anderer Leute Reflexionen,  Assoziationen und Wahrheiten lesen.

 

„Čuobbu-Hannes“ Hans-Joachim Gruda,

Berlin-Hermsdorf, im Winter2011/2012

 

P. S.: Und die Hunde? Die wunderbaren Huskies? Das ist eine ganz andere Geschichte! Denn die Samen hatten für ihre Transporte als Packtiere und Zugtiere ihre Rentiere. Die Hunde der Samen sind Helfer beim Hüten der Rentierherden und bei der Jagd – keine Schlittenhunde! Die kamen erst ungefähr im 16. Jahrhundert mit russischen Händlern (die sie aus Sibirien mitbrachten) als exotischer Einschlag, jedoch ohne sich in Sápmi zu etablieren. Die heute in „Lappland – Europas letzter Wildnis“ bei Touristen so beliebten Hundeschlittentouren, „Abenteuer“ und „Expeditionen“ sind also nichts Samisches. Ich habe selbst die wunderbare Zusammenarbeit mit Siberian Huskies erleben und genießen dürfen und wir haben nun seit vielen Jahren selbst einen zu Hause. Aber das ist wirklich eine ganz andere Geschichte!

 

Wir wurden für unseren Siberian Husky Čuobbu trainiert von Gina Bittrich

www.sit-and-fit.de