Bergbauboom Schweden Probebohrung K4
"K4" in den Wäldern Sápmis (foto hj gruda)

 

Landraub vor unserer nördlichen Haustür

Hände weg von der Region Sápmi, dem Land der Samen!

 

In Schweden siegen Wirtschaftsinteressen immer mehr über Naturschutz und verbriefte Rechte der samischen Urbevölkerung werden verletzt und ein breites Bündnis von samischen und nichtsamischen Organisationen und Umweltverbänden stellt sich gegen diese Politik der schwedischen Regierung. Im Fall der Nickelförderung bei Rönnbäcken wollen die Samen  international aktiv werden. Sie befürchten: Die wirtschaftliche Ausbeutung dieser Region, ihrer Heimat Sápmi, wird ihre ohne hinbedrohte Kultur, ihre Wirtschafts- und Lebensweise und damit ihre Welt, die sie den folgenden Generationen weitergeben wollen, zerstören.

 

Die Artikel geben einen Einblick in das, was in Sápmi geschieht

 

 

Gemeinsame Erklärung  

der Natur- und Ökotourismusunternehmer in Nordschweden vom 11. September 2013

 

Großartige Gebirgswelt oder Bergbau-Boom

Die Umweltqualitätsziele des Schwedischen Reichstags (Riksdagen) für eine großartige Gebirgswelt werden jetzt durch einen wachsenden Bergbau-Boom bedroht. Während der letzten Zeit haben die Konflikte um den Probeabbau von Eisenerz in dem Ort Gállok, oder Kallak, wie der schwedische Name des Ortes ist, Schlagzeilen in nationalen und internationalen Medien gemacht. Soeben werden Wirtschaft und Arbeitsplätze einerseits und die Ortsbevölkerung andererseits gegeneinander gestellt, als eine Konsequenz aus dem "minerallag"(Bodenschätze-Gesetz), das während des Beginns der Prospektierungen keine größere Rücksicht nimmt, weder auf die Grundeigentümer noch auf die Rentierwirtschhaft oder die Umwelt.

 

An immer mehr Stellen im nördlichen Schweden wird heute für neue Gruben prospektiert, in zuvor im allgemeinen völlig unzerstörten Gebieten. In mehreren Fällen außerdem im nahen oder direktem Anschluss an Nationalparke, Naturreservate und Weltnaturerbe. Hohe internationale Rohstoffpreise und eine liberale schwedische Bodenschätze-Gesetzgebung bewirken, dass andere Wirtschaftszweige wie Rentierwirtschaft und Tourismus nun aufs Altenteil gesetzt werden, denn niemand weiß mit Sicherheit, ob diese großartigen Bergwelten und gebirgsnahen Urwälder in fünf oder zehn Jahren noch vorhanden sein werden.

 

Erfolgreich Natur- und Ökotourismus zu entwickeln beansprucht Zeit und umfasst alles von der Entwicklung verschiedener Dienstleistungen, Etablierung des Betriebes bei Grundbesitzern und anderen Nutzern, Vermarktung, ständigen Qualitätsverbesserung und langfristigen Verbindungen zu ausländischen Geschäftspartnern.  Ein Prozess, der vom Beginn bis zum rentablen Betrieb mindestens fünf, oft zehn Jahre benötigt. Wenn wir den Einsatz wagen sollen, müssen auch Ökotouristik-Unternehmer eine Sicherheit haben, dass es eine unzerstörte Natur und eine einzigartige samische Kultur weiterhin geben wird und nicht einige Jahre später durch für die Umwelt gefährliche Gruben oder gigantischen Tagebau ersetzt wurde.

 

Die schwedische Beherbergungswirtschaft ist heute eine der wenigen Branschen, die stetigen Zuwachs zeigen und in denen neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Seit dem Jahrtausendwechsel wurden in ganz Schweden 37.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Anzahl der ausländischen Besucher ist gestiegen und der Exportwert des Tourismusses hat nun die Hundertmilliarden-Kronen-Grenze (ca. zwölf Milliarden Euro) passiert. Während des Jahres 2012 trugen die ausländischen Besucher mit Mehrwertsteuereinnahmen in Höhe von gut 14,5 Milliarden Kronen (ca. 1,75 Milliarden Euro) zur Staatskasse bei. Doch die Einnahmen aus dem Tourismus sind nicht für die Ewigkeit. Jedes Jahr müssen neue Gäste her gelockt werden und da sind wilde schöne schwedische Natur und samische Kultur zwei sehr wichtige Reiseanlässe.  Zum Vergleich soll auch erwähnt werden, dass der schwedische Bodenschätze-Export mit null (0,--) Kronen zu den Einnahmen aus Merwertsteuern beitrug. Dies gilt nicht nur für 2012, sondern für alle Jahre, da schwedischer Export generell mehrwertsteuerbefreit ist.

 

Mit dem Beschluss derRegierung vom August 2013 zur Genehmigung der geplanten Grube inRönnbeck und einer neuen Praxis, dass neue Gruben Vorrang haben vorder Rentierwirtschaft, wird die Sache auf die Spitze getrieben. Derjetzige Probeabbau von Eisenerz in Gállok kann mit anderen Wortenzur Konsequenz haben, dass die gesamte Existenz derJåhkågaska-Rentierwirtschaftsgemeinschaft aufs Spiel gesetzt wirdund damit die Rentierwirtschaft im Sarek Nationalpark und in dessenVerlängerung im Welt-Natur- und Kulturerbe Laponia. Unentberlicheunveräußerliche Werte, die sowohl für die Umwelt als auch fürzukünftige Generationen zu schützen sich Schweden als Nationverpflichtet hat.

 

Desweiteren befürchten wir, dass die Bergbaupläne nicht bei Gállok enden werden. Wenn erst einmal die Infrastruktur, wie Straßen und andere Anlagen, vor Ort sein werden, wird der Druck wachsen, andere Funde weiter im Inneren der Bergwelt zu explorieren. Dann wird die Frage sein, welche Kräfte in der Lage sein werden, sich dem entgegen zu stellen.

 

Das jetzige liberale Bodenschätze-Gesetz und das im Allgemeinen unbegrenzte Recht zur Prospektierung schadet schon heute der schwedischen Renwirtschaft und der Beherbergungswirtschaft. Der Investitionswillen und der Zukunftsglaube sinken gewiss, wenn die zukünftige wilde Natur nicht länger selbstverständlich gegeben ist. Internationale Kritik und Aufmerksamkeit für die Rechte der Samen auf ihre Rentierweidegebiete, wie zum Beispiel in der The Washington Post, beschmutzen außerdem das Bild von Schweden als attraktiver touristischer Destination.  Die neueste Untersuchung (IBIS des schwedischen "Tillväxtverket") von 2012 zeigte nämlich, dass Schweden zuerst und zumeist gerade assoziiert wird mit Naturerlebnissen, Freundlichkeit und Nachhaltigkeit. Natur- und Ökotourismus haben bereits gezeigt, wie tausende neue Arbeitsplätze in den dünn besiedelten Gebieten geschaffen werden können. Kurzfristig und fast ohne Mittel kann sowohl die Konkurrenzkraft geschärft als auch die Zahl der Unternehmen in Nordschweden erhöht werden. Es ist nun höchste Zeit, das Bild von Schweden als Reiseziel, das einzig zu bieten hat billige Angelscheine, Bergwanderungen mit eigenem Zelt und Sturmkocher oder ein "allemansrätt" (Recht zur Allgemeinnutzung der Natur), das ausländischen Besuchern das Recht gibt, ihr Wohnmobil wo auch immer hinzustellen, zu verändern. Nun ist es an der Zeit über Gebirgsstationen mit lappländischen Leckereien auf der Speisekarte, samische Guides die den Weg weisen zu ursprünglichen Kulturerlebnissen, erfahrene Hundegespann-Führern die Besucher aus aller Welt anlocken, vorausschauende Sportfischen-Veranstalter und vieles vieles mehr zu berichten und es zu vermarkten.

 

Wir Natur- und Ökotourismusunternehmer im Norden erklären deshalb:

 

* Wir unterstützen die Rentierwirtschaftsgemeinschaften ("samebyar"), die jetzt um ihrer Rechte an ihren Rentierweidegebieten kämpfen.

* Wir begrüßen den Antrag der Umweltpartei auf eine Sonderdebatte des schwedischen Reichstags über die Bergbauwirtschaft und die Bodenschätzepolitik.

* Wir verlangen, dass Schwedens Reichstag jetzt eine nationale und langfristige Strategie zur Entwicklung des schwedischen Natur- und Ökotourismusses annimmt. Eine Wirtschaft für die Entwicklung des ländlichen Raums und eine Kraft zum Schutze eines gemeinsamen Natur- und Kulturerbes für uns, für die Umwelt und für kommende Generationen.

* Wir ersuchen desweiteren unsere Verwalter der Nationalparke, Naturreservate und Welterbegebiete, neben den Freiluftsaktivitäten von eigener Hand auch den Natur- und Ökotourismus zu fördern und über ihn zu informieren. Dies als Beitrag zu langfristig nachhaltigen Arbeitsplätzen im Allgemeinen und in unseren geschützten Gebieten.

* Es geht um neue Gruben in unzerstörter Natur in der Nähe zu Nationalparken, Welterbegebieten, Reservaten und anderer schützenswerter Natur. Wir sagen nicht nein zu allen Gruben, weder vorhandenen wie in Kiruna und Gällivare noch neuen, wo sich alle beteiligten Partner einig sind. Entscheidend ist, dass es Respekt gibt und einen Dialog zwischen Montanindustrie, Beherbergungswirtschaft und Rentierwirtschaft.  

 

Sápmi den 11.September 2013

 

Übersetzungaus dem Schwedischen: Hans-Joachim Gruda (www.homo-peregrinus.de) 

 

Sápmi/Lappland den 11 september 2013  

 

* Ekoturismföreningen

* SvenskaTuristföreningen

* VisitSápmi

 

* 8 Seasons

* Abisko Dogsled

* Ammarnäsfjällens Islandshästar

* Ammarnäs Wärdshus/Fiskecentrum

* Arctic Circle Experience

* Aurora Safari Camp

* Camp Ripan AB

* Club Scandinavia

* Cre Active Adventure AB

* Destination Laponia * Essense of Lapland * Fjällaktiv Lappland * Guest House Tornedalen * Huuva Hideaway * Icehotel AB

* Jokkmokkguiderna

* Lappeasuando Lodge AB

* LapplandTours AB

* Natulife

* Nutti Sámi Siida AB

* Outdoor Lapland

* Rajamaain Lapland

* STFAbisko Turiststation

* STFKebnekaise Fjällstation

* STFSaltoluokta Fjällstation

* The Silent Way

* Treehotel

* Vildmarksbyn Solberget

* ÅrreNjarka Fjällby

  

http://www.ekoturism.org/

 

 

Landraub vor der Haustür

Bergbau-Boom macht vor Schwedens Natur nicht Halt

 

Wir regen uns auf über das Abholzen der Regenwälder in Südamerika. Aber gleichzeitig fällt praktisch vor unserer Haustür eine wunderbare, einzigartige Natur mit Wäldern der Taiga, mit Tundren, Fjälls, Gletschern und Flüssen im Norden Europas der Gier einer schon längst zum Untergang bestimmten Wachstumsideologie zum Opfer. Die Bergbaubranche in Schweden boomt, jedoch zu Lasten einer nahezu unberührten Natur. 


Schweden Bergbau Erzbahn Kiruna
Die neuen Gleise der Erzbahn bei Kiruna, Schweden, Sápmi (foto liane gruda)

 

Von Hans-Joachim Gruda

im Dezember 2012

 

Schweden hat sich trotz Eisen- und Stahlkrise in den 1970er Jahren und aktueller Finanz- und Wirtschaftskrise aus der Niedrigkonjunktur befreien können. 2010 wurden hier 16 Millionen Tonnen Eisenerz abgebaut - so viel wie nie zuvor. Die neuesten Genehmigungen zur Förderung von Eisenerz wurden in den Regionen Malmfälten in der Provinz Norrbotten, Skelleftefältet und der Goldlinie” 1) in Västerbotten und Bergslagen erteilt. Das sind aber auch die dünn besiedelten nördlichen Gebiete mit sauberer Natur und das Siedlungsgebiet der samischen Urbevölkerung.    

 

Anfang der 1990er Jahre verabschiedete Schweden neue Gesetze. Die staatliche Finanzierung des Bergbaus hatte ein Ende und die Privatisierung der Montanindustrie zog ausländische Konzerne an. Gerade zu dieser Zeit begannen am Weltmarkt die Preise für Metalle und Mineralien zu steigen. Der schwedischen Bergbaubehörde „Bergstaten“ zufolge richteten sich  2010 die Anträge der Montanindustrie vor allem auf die Erkundung von Gold, Kupfer und Zink. Zudem gibt es ein steigendes Interesse an Seltenen Erden wie Yttrium, Europium, Neodym, Ytterbium und Erbium. Zurzeit sind 18 schwedische und internationale Firmen interessiert, in Nordschweden nach Uran zu suchen. Die aktuell gültigen Genehmigungen zur Uran-Erkundung laufen 2015 aus. Diese können auf Antrag verlängert werden, falls die Erkundungen noch nicht abgeschlossen sind. Abbaugehmigungen können zudem beantragt werden, falls die Erkundung ökonomisch erfolgversprechende” Ergebnisse gebracht haben.

 

Genehmigt wurden 2010 vier neue Abbaukonzessionen für

  1. IGE Nordic AB für Nickel, Kobalt, Gold, Silber, Platin und Palladium; erwartete Fündigkeit 54,9 Millionen Tonnen

  2. IGE Nordic AB für eine weitere Grube für Nickel, Kobalt, Gold, Silber, Platin und Palladium; erwartete Fündigkeit 192,9 Millionen Tonnen

  3. Northland Resources AB für Eisen und Kupfer; erwartete Fündigkeit 114,2 Millionen Tonnen

  4. Svenska Vanadin AB für Eisen und Vanadium; erwartete Fündigkeit 13,3 Millionen Tonnen

 

Genehmigt wurden 2011 zwei neue Abbaukonzessionen für

  1. Iron Ore AB für Eisen, die Seltenen Erden Lantan und Lantanide und Apatit; erwartete Fündigkeit 14,6 Millionen Tonnen

  2. Nordic Iron Ore AB für Eisen, Kupfer, Gold und Molybden; erwartete Fündigkeit 28,5 Millionen Tonnen

 

Für die für das Unternehmen Northland Resources AB erteilte Abbaukonzession in Pajala laufen seit Anfang 2011 vorbereitende Arbeiten für eine Grube. In der Taiga nördlich des Polarkreises wurde die Landstraße mit Steuergeldern in Höhe von 1,3 Milliarden Schwedischen Kronen (umgerechnet rund 150 Millionen Euro) ausgebaut,damit tonnenschwere LKWs Eisen und Kupfer transportieren können. Arbeiterunterkünfte und ein Anreicherungswerk sind zusätzlich entstanden mitten in der Natur auf einer Fläche von 200 Fußballfeldern. Die Provinzialverwaltung Norbotten län hat die Bergbaugesellschaft nun angezeigt wegen des Verstoßes gegen die Artenschutzverordnung. 2013 soll die Grube in Betrieb gehen. 

 

Schweden Kiruna Bergbau Sápmi
Kiruna, Bergbaustadt im schwedischen Teil Sápmis (foto liane gruda)

 

Kiruna, die nördlichste Stadt Schwedens, droht indes in den Hohlräumen der Eisenerzgrube zu versinken. Der Ort wird in die Tundra und in die Weidegebieten der Rentiere Schritt für Schritt verlegt und neu gebaut. Eine Bahnlinie wurde bereits verlegt. Eine „Alibibrücke“ wurde gebaut, damit die Rentiere in andere Gebiete ziehen können. Die Brücke ist für diesen Zweck jedoch viel zu schmal. Die Wahrheit ist aber, dass dies kein großzügiges Geschenk der Bergbaugesellschaft LKAB an die Samen ist. Vielmehr sollen Rentierherden den Erzbahnverkehr nicht behindern. Jokkmokk Iron Mines AB ist indes an der Gemeinde Jokkmokk und damit auch an den Weidegebieten von drei samischen Rentier-Wirtschaftsgemeinschaften, den Samebyar Sirges, Jåkkåkaska und Tuorpon, interessiert. Es geht um vermutete enorme Vorkommen an Eisen, Titan, Kupfer, Molybden und Gold. Es ist zu erwarten, dass das Projekt als riksintresse”, Staatsangelegenheit, klassifiziert wird. Das würde in der Praxis bedeuten, dass die ökonomischen Interessen über alles andere siegen würden. Selbst Nationalparks und die nahezu unberührte Wildnis des Weltnatur- und Kulturerbes Laponia in Nordschweden wären dann mittelfristig nicht mehr vor dem Zugriff der nach Bodenschätzen gierenden Industrie sicher. Anfang Dezember 2012 erklärte die schwedische Regierung Funde im Gebiet Stekenjokk zumStaatsinteresse”. Damit soll der Zugang zu Kupfer, Zink und Silber sichergestellt werden. 1988 wurde das Bergwerk Stekenjokk aus betriebswirtschaftlichen Gründen stillgelegt. Nun soll sich der Abbau aufgrund der gestiegenen Weltmarktpreise zukünftig wieder lohnen. Experten erwarten jährliche Produktionen von 20.000 Tonnen Zink, 6.000 Tonnen  Kupfer und 100 Kilogramm Gold.

 

Überall erhebt sich Widerstand gegen den Bergbau. So hat der Naturschutzverein „Naturskyddsföreningen“ ein Netzwerk gegen Uranbergbau gebildet. Naturskyddsföreningen initiiert und unterstützt die Gründung lokaler Widerstandsgruppen, die auch logistisch und finanziell von der Organisation unterstützt werden. Der Protest findet auf mehreren Ebenen statt: Es gibt einen gemeinsamen Netzauftritt, lokal organisierte Demonstrationen, offene Briefe an Unternehmen, Eingaben an Behörden sowie Klagen vor Gerichten.

 

Der "Landraub" in Form von Landvernichtung ist nicht nur auf die unmittelbaren Abbaustätten beschränkt. Er setzt sich auch nach der Stilllegung des Bergbaubetriebes in Form von Vergiftung des Landes, des Wassers und der Pflanzen durch den von der Industrie zurückgelassenen Müll fort. Die empfindsame subarktische Flora und Fauna braucht viele Jahrzehnte, um sich von den Eingriffen zu erholen. Eine einzigartige Natur geht verloren, eine Natur, die nicht nur Lebensraum für Pflanzen und Tiere ist, sondern auch eine Voraussetzung für die Kulturen der Menschen im hohen Norden.

 

 

           

   Erkundungsgenehmigungen  
   2011  
   2010  
   2009  
   2008  
   Betroffene   Gebiete   in   Quadratkilometern       
   16.051  
   20.289  
   20.086  
   22.661  
   Anzahl   Genehmigungen  
   1.139  
   1.197  
   1.239      
   1.322  
   Anzahl   Unternehmen  
   97  
   105        
   104        
   109  
   Anzahl   Privatpersonen  
   47  
   80  
   82  
   25  

 

Quelle:Jahresberichte der SGU, „Sveriges geologiska undersökning“,schwedische Geologie-Behörde.

 

1Die „Goldlinie“ ist der Eigenname für eine geologische Formation, die sich von dem westlichen Skandinavischen Gebirge, den Skanden, bis zum Botnischen Meerbusen erstreckt. Geologische Untersuchungen haben ergeben, dass es dort große Goldvorkommen gibt.

 

Hans-Joachim Gruda 

 

Der Artikel erschien im Januar 2013 in der Zeitschrift der GfbV "Bedrohte Völker - pogrom", Nr 273 - http://www.gfbv.de/pogrome.php

 


Die Zahlen über Anträge, Erkundungsgenehmigungen und    Bearbeitungsgenehmigungen bekommt Ihr bei der zuständigen Behörde    "Bergstaten"
     http://www.bergsstaten.se/
    http://www.bergsstaten.se/info/pp2013-2-rapport.pdf
    
und auf dem Platz im Netz der vorgesetzten Behörde

"Sveriges geologiska undersökning", SGU

http://www.sgu.se/sgu/

 

Kiruna Bergbau Sápmi
Wunden in der Natur, Bergbau in Sápmi (foto liane gruda)

 

Schweden: Hände weg von der Region Sápmi, dem Land der Samen!  

 

Was wir aus dem Norden Schwedens zu hören bekommen, kennen wir aus vielen Regionen der Welt: Der indigenen Bevölkerung wird das Land weggenommen. Sie kann ihre traditionelle Lebensweise nicht mehr aufrechterhalten. Die Natur wird für viele Jahre zerstört, ohne dass die lokale Bevölkerung dem zugestimmt hätte. Oftmals schaffen die Unternehmen gar keine Arbeitsplätze für die Menschen vor Ort, sondern es kommen Arbeiter aus ganz anderen Landesteilen. Mit ihnen verschiebt sich das Sozialgefüge in der Region, Konflikte entstehen. Wir kennen eine so schlimme Entwicklung z.B. von der Jamal Halbinsel in Russland, wo die nomadisch lebenden Nenzen vor dem Ende der Rentierzucht stehen. Die Ashaninka und andere indigene Völker des brasilianischen Amazonas klagen über ähnliche Probleme, wenn es um Holzeinschlag und Erdölförderung geht.

 

Dass Schweden nun aber, ein Land, das für seine Politik der Toleranz, der Achtung vor den Menschenrechten, dem hohen Standard der Rechtsstaatlichkeit international großen Respekt genießt, seine indigene samische Bevölkerung, aber auch die anderen Menschen in der Region und den wertvollen Schatz der unberührten nordischen Natur, an den Abbau von Erzen und seltenen Erden verhökern will, ist empörend. Wir unterstützen daher aus vollem Herzen den Widerstand der Samen und der ganzen Ortsbevölkerung und wir möchten jeden bitten, dazu beizutragen, dass die Menschenrechte und der Erhalt der Natur nicht zu kurz kommen hinter den Interessen der Montanindustrie.

 

Wir werden ein Auge auf die Vorgehensweise Schwedens in Sápmi haben.

 

In Schweden siegen Wirtschaftsinteressen über Naturschutz und die Rechte der samischen Urbevölkerung werden verletzt:

 

Am 22. August 2013 fiel die letzte schwerwiegende Entscheidung: Die schwedische Regierung machte den Weg frei für die Förderung von Nickel auf dem Land der Samen. Die Konzession erhielt die schwedische Firma Nickel Mountain für drei Produktionsstandorte nahe der Ortschaft Rönnbäcken. Dort sei das größte Nickel Vorkommen im Land entdeckt worden.

 

Ebenfalls höchst umstritten ist das Bergbauvorhaben des britischen Beowulf-Unternehmens, das bei Kallak/Gállok im schwedischen Teil Sápmis Eisenbergbau betreiben will. Die Samen hier sind Rentierzüchter. Sie befürchten, dass die geplante Tagebaumine die Migrationswege der Rentiere zwischen der Sommer- und der Winterweide unterbrechen und die Wasserqualität des Sees Gállokjávrre und des Flusses Luleälven gefährden würde. Der Bergbau und die für die Bergarbeiter nötige Infrastruktur gefährden die Natur, die Renwirtschaft und die Lebensqualität aller Bewohner - auch der nichtsamischen - in der Region. Die Bevölkerung wirft dem Konzernvor, zu keinem Zeitpunkt der Planungen konsultiert worden zu sein. Am 22. August löste die Polizei eine Sitzblockade der Zufahrtstraße zum Minengelände auf.

 

Ein breites Bündnis von samischen und nicht samischen Organisationen und Umweltverbänden stellt sich gegen diese Politik der schwedischen Regierung. Im Fall der Nickelförderung wollen die Samen international aktiv werden. Sie befürchten: Die wirtschaftliche Ausbeutung dieser Region, ihrer Heimat Sápmi, wird ihre ohnehin bedrohte Kultur, ihre Wirtschafts- und Lebensweise und damit ihre Welt, die sie den folgenden Generationen weitergeben wollen, zerstören.  

 

Auch die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterstützt die Initiativen der Samen in Schweden und hilft mit, über die Zerstörung ihres Landes zu informieren. Bitte appelliert alle an die schwedische Regierung:

 

Menschenrechte und die Rechte der Samen als Urbevölkerung des Nordens dürfen nicht geringer geschätzt werden als der Bergbau.

 

Genehmigung für die umstrittenen Projekte erst dann erteilen, wenn Umweltstudien sowie Studien zu den Folgen der Renwirtschaft abgeschlossen und auch von den samischen Rentierzüchtern akzeptiert worden sind.

 

Schweden soll seinem Ruf als liberales Land und Hüter der Menschenrechte gerecht werden, indem es die Mechanismen des Free Prior Informed Consent auch hier einhält, und endlich die ILO 169 und die Nordic Sami Convention ratifizieren.

 

Mit sorgenvollen Grüßen  

Hannes (Hans-Joachim Gruda) im Sommer 2013 

 

08. November 2013

UN stoppt vorläufig Grube in Tärnaby-Rönnbäck!

 

Der Hohe Kommissar für Menschenrechte der Vereinten Nationen hat ein Bergbauprojekt in Schweden vorläufig gestoppt. Das Bergbauprojekt liegt in einem traditionellen Renweidegebiet der Samen, deren traditionelle Lebensweise durch den Bergbau gefährdet sein kann. Das "UN Commitee on the Elimination of Racial Discrimination" (UN-Ausschuss für die Beseitigung der Rassendiskriminierung) prüft nun, ob die geplante Nickelgrube in Tärnaby-Rönnbäcken die Menschenrechte der samischen Urbevölkerung verletzt. Das Außenministerium wird eine Stellungnahme ausarbeiten. Schwedens Regierung hatte am 22. August 2013 beschlossen, dass die Interessen der Montanindustrie über die Interessen des Naturschutzes und der samischen Urbevölkerung zu stellen seien. Hiergegen hatte sich in Schweden ein breiter Protest formiert und die NGO "Samerådet" (Samischer Rat) wandte sich an die UN-Organisation.

 

Siehe auch

http://www.svt.se/nyheter/regionalt/vasterbottensnytt/un-stop-the-mining-in-sweden

 

Hintergrundinformationen auf dem Platz des "Samischen Rats", einer länderübergreifenden Organisation der Samen, der Urbevölkerung Europas im Norden Norwegens, Schwedens, Finnlands und Nordwestrusslands.

Informationen auf Englisch: http:​/​/​saamiresources.​org/​about/

 

Einblick in die aktuelle Berichterstattung in Schweden auf dem Platz des schwedischen Fernsehens auf Englisch unter

http:​/​/​www.​svt.​se/​nyheter/​regionalt/​vasterbottensnytt/​un-stop-the-mining-in-sweden­#article1590919

 

Eine frühere Stellungnahme der Gesellschaft für bedrohte Völker findet sich unter

http:​/​/​www.​gfbv.​de/​inhaltsDok.​php?​id=2683&stayInsideTree=1

 

08 November 2013:  

Die Nickelgrube in Rönnbeck wurde von einem Organ der UN vorläufig gestoppt

   

Nickelgruvan stoppad av FN
Den planerade nickelgruvan i Rönnbäcken är tillfälligt stoppad. FN:s rasdiskrimineringskommitté uppmanar Sverige att stoppa all gruvverksamhet tills kommittén har fattat ett beslut i frågan. Ett besked som tas emot med glädje hos många gruvmotståndare.

I september lämnade Samerådet och Vapsten sameby in ett klagomål till FN:s rasdiskrimineringskommitté. Bakgrunden är Nickel Mountains planer att öppna dagbrott i Rönnbäck i Tärnafjällen. De menar att Sveriges regerings beslut att tillåta gruvbrytning i området utgör ett grovt människorättsbrott. Nu har FN meddelat Sveriges regering att all gruvverksamhet måste stoppas i väntan på FN:s slutliga beslut i ärendet. Fram tills dess får ingen verksamhet ske i området. Varken av prospektören eller underkonsultbolag.


– Det känns bra att det blir en markering och det visar att FN tar detta på allvar, säger Samerådets folkrättsjurist Mattias Åhrén som är den som haft kontakt med FN.


Vad innebär detta för framtiden?
– Det är en tydlig markering och nu inväntar vi i första hand Sveriges svar. Kommer man fram till att vi har rätt blir det svårare för Sverige att fortsätta med det här, säger han.


Beskedet togs emot med glädje hos många gruvmotståndare. Marie Persson som är grundare av nätverket ”Stoppa gruvan i Rönnbäck” är glad att frågan tas på allvar.


– Detta är en historisk händelse att FN går in i gruvprojekt i Sverige. Jag välkomnar beslutet men tycker att det är beklagligt att FN måste dras in i Sveriges mineralpolitik. Att Sveriges regering år 2013 inte ska kunna respektera internationellt erkända urfolksrättigheter, säger hon.


Hon hoppas och tror att beskedet från FN kan ha effekt.
– Men med tanke på den mineralpolitik som förs i Sverige och den brist på respekt för det samiska folkets rättigheter gör att vi troligen kommer att få se fler såna här ärenden, säger hon.

 

källa: Västerbottens Kuriren

 

Bergbauboom Schweden Svappavaara Terminalen Erz
"Svappavaara Nya Terminalen" - das Erz kommt auf Lastwagen aus der Grube in den Wäldern und wird hier auf die Bahn verladen (foto hj gruda)

 

 

Die Märchen von den Arbeitsplätzen

Es werden "Arbeitsplätze geschaffen" für Menschen, die es in den neu entstehenden Bergbauregionen gar nicht gibt, denn das Land ist dort dünn besiedelt und die dort lebenden Menschen wollen mehrheitlich gar nicht in einer Grube arbeiten, sondern naturnah leben, fühlen, arbeiten und handeln, wie ihre Vorfahren (oder sie sind gerade deswegen dorthin gezogen). Die Funde bei Jokkmokk zum Beispiel (Gállok) sollen in ca. 12 (zwölf!) Jahren abgebaut sein! Zwölf Jahren Gewinn steht gegenüber auf Jahrhunderte Zerstörte Zukunft der einheimischen Bevölkerung (nichtnur der Samen). Die Grube soll ca. 200 Arbeitsplätze bringen, einschließlich örtlicher Verwaltung und hochqualifizierter Ingenieure und Techniker, die es in Jokkmokk gar nicht gibt. Arbeitsplätze also für "Fremde" und riesige Gewinne für "Fremde". Die benötigten Arbeitskräfte müssen aus dem Süden herbeigeschafft werden. Für sie gibt es keine Wohnungen und keine soziale Infrastruktur und sie bringen eine völlig andere Lebenseinstellung und ein völlig anderes Alltagsverhalten mit. Die gesamte Sozialstruktur der Gegenden wird zerüttet, nicht nur die Natur zerstört. Es werden für ein paar kurze Jahre wahnsinnig hohe Löhne gezahlt, um Arbeiter in den Norden zu locken, Menschen, die keine Beziehung zur dortigen Natur und Lebensweise haben. Barackenstädte werden für ein paar kurze Jahre errichtet. Riesige Gewinne fließen in ein paar kurzen Jahren in die Bilanzen der Konzerne. Und was zurückbleibt ist eine zerstörte empfindliche subarktische Natur und die Zerstörung der Kultur- und Lebensgrundlagen der Samen. Und es gibt Berechnungen, dass wegen der Zerstörung der Natur und des Images Jokkmokks als "Wildnisgemeinde" ca. 1.100 Arbeitsplätze in der Renwirtschaft und der Natur- und Ökotouristik verloren gehen werden. Aber mit Renwirtschaft und lokalem Tourismus sind eben keine internationalen Konzerne zu befriedigen. Die Folgekosten der Zerstörungen werden übrigens nicht die Montankonzerne tragen, sondern der schwedische Steuerzahler - genau wie jetzt die Kosten für die zur Erschließng und zum Abbau erforderliche Infrastruktur. 

Hans-Joachim Gruda, April 2014 

 

Lies auch im Magazin "4-seasons"

http://4-seasons.de/magazinartikel/wir-duerfen-die-samen-nicht-vergessen

 

19 Februari 2014: Öffnung der Grube in Stekenjokk abgelehnt!

Nej till bearbetningskoncessioner i Stekenjokkområdet 

Bergsstaten avslår Vilhelmina Mineral  AB:s ansökningar om bearbetningskoncessioner för Stekenjokk K nr 1 och Levi K  nr 1, Vilhelmina och Strömsunds kommuner i Västerbottens resp. Jämtlands län.

        Läs beslutet under "Aktuella kungörelsen"

http://www.bergsstaten.se/nyheter/nej-till-bearbetningskoncessioner-i-stekenjokkomradet.pdf

Bergbauboom Schweden Probebohrung Kiruna
"Lappland - Europas letzte Wildnis"? Probebohrung in der Gemeinde Kiruna (foto hj gruda)